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Gezielte Ernährung mindert Entzündung

Ernährungswissenschaftler empfiehlt Fisch statt Fleisch

Kann die Ernährung bei Rheuma die Krankheitsaktivität und die Schmerzen lindern? Neuere Forschungsergebnisse haben dies zuletzt immer wieder bestätigt. Eine gezielte Ernährung ersetzt zwar die medikamentöse Behandlung nicht, kann diese aber offenbar sinnvoll ergänzen. Die hierzu notwendige Ernährungsumstellung ist meist jedoch aufwendiger, als es vielen Betroffenen bewusst ist.

Dem Einfluss der Ernährung auf entzündlich-rheumatischen Erkrankungen trägt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bereits seit Längerem Rechnung. Ihre Empfehlungen zur Ernährungstherapie bei Rheuma haben mittlerweile Eingang in die Fortbildungsordnung von Ernährungsmedizinern gefunden. Seit dem Jahr 2006 gibt es zudem auch einen Arbeitskreis Ernährungsmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Anders als früher, sind es also nicht mehr nur Patienten und deren Angehörige, die sich mit Ernährungsfragen beschäftigen, sondern auch angesehene Ärzte und Wissenschaftler.

Das Thema ist mittlerweile sogar so aktuell, dass es auf dem aktuellen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie von Fachleuten breit diskutiert wird.

Auch diese Entwicklung spiegelt den zunehmenden Erkenntnisgewinn auf diesem Gebiet wieder. Während am Anfang nämlich lediglich die Beobachtung stand, dass Küstenbewohner, Eskimos und Vegetarier seltener als andere Menschen an Gelenkrheuma leiden, verstehen die Forscher heute besser, warum das so ist.

Einige Nahrungsfette fördern im Körper die Bildung bestimmter hormonähnlicher Stoffe, sogenannter Eikosanoide. Diese sind an der rheumatischen Entzündungsreaktion beteiligt, erläutert Professor Dr. med. Olaf Adam von der Ludwig Maximilian Universität München (LMU) in einer aktuellen Veröffentlichung.

Diese entzündungsfördernden Substanzen entstehen aus der Verstoffwechslung von Arachidonsäure, einer Fettsäure, zu deren Bildung alle Säugetiere befähigt sind. Sie kommt ausschließlich in tierischer Nahrung vor. In Lebensmitteln wie Schmalz, fettem Fleisch, Leber und Eigelb ist sie in besonders hohen Konzentrationen enthalten. Andere Lebensmittel enthalten jedoch ernst zu nehmende Gegenspieler – sogenannte Omega-3-Fettsäuren. Durch den Verzehr von „fetten“ Meeresfischen wie Hering oder Makrele, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, kann man deshalb Entzündungsvorgänge bremsen. Aus diesem Grund sollten Rheumapatienten nicht mehr als zwei Fleischmahlzeiten und zwei Eigelb pro Woche verzehren, so der Leiter der ernährungsmedizinischen Abteilung an der LMU. Stattdessen gehöre zwei Mal pro Woche Fisch auf den Tisch – möglichst Meeresfisch. „Wem das auf Dauer nicht schmeckt, der hat die Möglichkeit auf Fischölkapseln auszuweichen“, sagt Adam, der auch dem Arbeitskreis Ernährungsmedizin der DGRh angehört. Diese müssten allerdings genau dosiert werden, denn die in Drogerie oder Apotheke erhältlichen Präparate enthielten Fischölfettsäuren in unterschiedlichen Mengen. Hinzu käme, dass Rheumapatienten sich ausgewogen und vitaminreich ernähren und auf ihre Knochengesundheit achten sollten. Als einfacher Merksatz kann hier z.B. die 5-Finger-Regel (fünf mal am Tag ein Stück frisches Obst oder Gemüse) - ergänzt durch eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Sonnenlicht - gelten.

Nicht jeder Rheumapatient ist gleich. Gerade bei Menschen mit einer chronischen Erkrankung kann die Gefahr einer Mangelernährung bestehen. Betroffene sollten ihre Ernährung deshalb nicht auf eigene Faust komplett umstellen. Vielmehr sei ein dauerhafter Erfolg nur dann zu erwarten, wenn Ärzte, Ernährungsberater, Ergotherapeuten und Patienten eng zusammenarbeiteten, so der Experte abschließend.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie vom 01.09.09: „Fisch statt Fleisch: Rheuma durch gezielte Ernährung lindern“; O. Adam: Ernährungstherapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, Dtsch Med Wochenschr 2009; 134: 1759-1763
Autor: Eduardo Ramminger
Stand: Sep 29, 2009


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