
Entzündungsherde bereits frühzeitig sichtbar
"Rheuma-Video" könnte Frühdiagnose erheblich vereinfachen
Entzündliches Rheuma kann jeden treffen. Vom Auftreten erster Beschwerden bis zur eindeutigen Diagnose Rheuma vergehen in Deutschland immer noch mehrere Monate. Kostbare Zeit, die verloren geht, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Zumal die Erkrankung gerade zu Beginn besonders gut durch Medikamente beeinflussbar ist.
Der Ausbau der rheumatologischen Versorgung und die Entwicklung von neuen „einfacheren“ Diagnoseverfahren könnten das Problem in absehbarer Zeit jedoch deutlich entschärfen. So bieten immer mehr Rheumatologen speziell für Patienten mit fraglicher Diagnose oder kurzem Krankheitsverlauf einen raschen Termin außerhalb der üblichen Wartezeiten an. Nun berichten Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) von einem neuen Diagnoseverfahren, das die Früherkennung von rheumatoider Arthritis (der häufigsten Form von entzündlichem Rheuma) erheblich vereinfachen könnte.
Bei diesem „Rheuma-Video“ genannten Verfahren handelt es sich um eine Methode, die mit einem Floureszenz-Farbstoff und Nahinfrarotlicht (NIR-Licht) arbeitet. Die Untersuchung selbst dauert wenige Minuten und ist laut Aussage der beteiligten Forscher schmerz- und nebenwirkungsfrei. Bei Nahinfrarotlicht handelt es sich um Licht, das für menschliche Augen gerade eben nicht mehr sichtbar ist, das aber der Infrarot- oder Wärmestrahlung bereits sehr ähnlich ist. Es dringt deutlich weiter in den menschlichen Körper ein als sichtbares Licht. Trifft es dabei auf ein Farbstoffmolekül, beginnt dieses zu leuchten und verrät so den Ort, an dem dieses sich aufhält. Gleichzeitig schwimmt der bislang bei den Versuchen verwendete Farbstoff passiv mit dem Blut mit. In entzündlich veränderten Geweben ist die Durchblutung höher als in gesunden. Sammelt sich der Farbstoff an bestimmten Gelenken, ist das deshalb ein Hinweis auf einen möglichen Rheumaherd.
Die neue Methode wurde von der PTB zusammen mit mehreren Kooperationspartnern entwickelt. Im Vergleich mit der Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) kann sie Entzündungsvorgänge ähnlich frühzeitig und genau sichtbar machen, ist dabei aber deutlich kostengünstiger. Nach ersten vielversprechenden Ergebnissen sind daher weitere Untersuchungen geplant. An diesen wollen sich bundesweit mehrere Kliniken beteiligen. Auch die gesetzlichen Krankenkassen hätten bereits Interesse signalisiert, hieß es in der Pressemitteilung des PTB. Bedeutet doch eine schnellere und dennoch präzise Diagnostik eine frühere und bessere Krankheitskontrolle. Diese führt zu weniger Gelenkschäden und Funktionseinschränkungen, und so auch zu einer höheren Lebensqualität auf Patientenseite und geringeren Kosten.
Lifeline-Tipp:
Adressen der Ärzte und Institutionen die Frühdiagnose-Sprechstunden anbieten, finden Sie auf den Seiten der jeweiligen Regionalen Kooperativen Rheumazentren unter www.dgrh.de/rheumalandkarte (dort jeweils in den rechten Spalten).






