
Morbus Bechterew
Häusliches Training verbessert auch die Lungenfunktion
Bechterew-Patienten, die zuhause regelmäßig Atemübungen ausführen, können damit ihre Lungenfunktion nachweisbar verbessern.
Das bestätigt eine aktuelle Untersuchung von türkischen Wissenschaftlern der Zonguldak Karaelmas Universität.
Dieser Befund überrascht nicht, ist aber dennoch bedeutsam. Denn Morbus Bechterew ist eine rheumatische Erkrankung, bei der, neben den Kreuzbein-Darmbeinkamm-Gelenken, meist auch weitere Gelenke im Bereich der Wirbelsäule entzündlich verändert sind. Kommt es dabei zu Gelenkzerstörung und Versteifungen im Brustwirbel- und Rippenbereich (Kostotransversal- und Kostovertebralgelenke), entwickeln einige Betroffene im weiteren Verlauf der Erkrankung messbare Einschränkungen der Brustkorbbeweglichkeit und damit der Atemfunktionen. Da es sich bei Morbus Bechterew gleichzeitig um eine Erkrankung handelt, die den ganzen Körper betreffen kann, sind bei Störungen der Atmung bzw. der Lungenfunktion noch weitere Ursachen möglich. Beispielsweise in Form entzündlicher Veränderungen von Brustfell und Lungen. Wie häufig solche Symptome auftreten, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Seit der Einführung neuerer Diagnoseverfahren wie der hochauflösenden Computertomografie ergaben sich aber folgende Befunde:
Bei Untersuchung des Brustraumes mit dieser Methode fanden türkische Wissenschaftler im Jahr 2005 bei 73 Prozent der von ihnen untersuchten Bechterew-Patienten Auffälligkeiten im Sinne einer Lungenbeteiligung.
Anlässlich einer zweiten Untersuchung, nun von 52 beschwerdefreien Bechterew Patienten durch eine brasilianische Forschergruppe, ergab die dabei durchgeführte Lungenfunktionsprüfung bei etwas mehr als jedem zweiten Teilnehmer einen auffälligen Befund. Sichtbare Veränderungen in der hochauflösenden Computertomografie zeigten hier vier von zehn Patienten.
Beide Studien sind aufgrund ihrer geringen Teilnehmerzahl allerdings nur begrenzt auskunftsfähig. Dennoch sind sie ein Signal, das andere Forscher zu weiterer Arbeit anregt.
Die Wissenschaftler der Zonguldak Karaelmas Universität untersuchten daher beispilesweise, ob Bechterew-Patienten von einem gezielten physiotherapeutischen Trainingsprogramm mit Atemübungen profitieren.
An ihrer Studie nahmen 22 Patienten teil. Nach einer Schulungsperiode, in der alle Teilnehmer einfach anwendbares Training aus Atem- und Gymnastikübungen erlernten, führten sie dieses über einen Zeitraum von sechs Wochen zuhause selbstständig weiter. Zu Studienbeginn und nach Abschluss des Trainingsprogramms erfolgte zudem eine Testung u.a. von Lungenfunktion und dem Ausmaß möglicher krankheitsbedingter Funktionseinschränkungen.
Demnach profitierten die Teilnehmer deutlich von dem Training. Neben einer verbesserten Dehnbarkeit des Brustkorbes und einer Abnahme funktioneller Einschränkungen (gemessen mit dem BASFI) besserte sich beispielsweise auch der maximal erreichbare Druck bei Aus- und Einatmung.
Die Autoren empfehlen deshalb, dass bei Bechterew-Patienten neben der Wirbelsäulenbeweglichkeit auch die Funktion von Atemwegen und Herzkreislauforganen vermehrt gefördert werden sollte.






